ARTENNE_2

»Vom Umgang mit Tennen, Ställen, Bauernhäusern«


Ein Ausstellungsprojekt in der artenne/Nenzing
Texte und Fotos Bernhard Kathan

Nenzing
Foto: Kathan B.

Bedingt durch die kleinbäuerlich geprägte Landwirtschaft hat das Bauernhaus bis in die jüngste Vergangenheit das Ortsbild der Vorarlberger Dörfer geprägt. Noch heute finden sich viele dieser Bauernhäuser, obwohl in den meisten von ihnen längst kein Vieh mehr gehalten wird. Was soll man mit einem Stallgebäude machen, in dem keine Tiere mehr stehen, dessen Heuboden kein Heu mehr kennt?

Dieser Frage versucht Bernhard Kathan mit seinem Ausstellungsprojekt in der artenne in Nenzing nachzugehen, ohne dabei Antworten zu präsentieren oder gar zu moralisieren. Kathan sammelt und dokumentiert den Ist-Zustand mittels Fotoapparat und beschreibt die Situation mit kurzen Texten.

Die kleinbäuerliche Architektur, geprägt von der Funktionalität und Sparsamkeit im Umgang mit materiellen Ressourcen, unterscheidet sich ganz wesentlich von der modernen, individuellen Formsprache der Einfamilienhäuser. Lässt sich am traditionellen bäuerlichen Dorf das Gemeinsame – zumindest in der Sprache der Architektur – ablesen, das geprägt ist durch Zurückhaltung und Erfahrung ohne individuelle Ausgestaltung so steht das Individuelle, die Differenz und Abgrenzung zum andern heute im Vordergrund. Alte Dörfer waren geprägt vom öffentlichen und halböffentlichen Raum, vom Vorplatz vor dem Haus, auf dem gearbeitet, getratscht oder auf der Bank geruht wurde, ohne dass der Blickkontakt mit Hecken verstellt worden wäre. Die Ansprüche der wenigen Bauern, die noch im Vollerwerb davon leben, haben sich im Lauf der Zeit ebenfalls gewandelt. Immer weniger Bauern bewirtschaften die Flächen rund ums Dorf, was zur Folge hat, dass sie mehr Platz für größere Ställe und Unterstellmöglichkeiten für den immer größer werdenden Fuhrpark benötigen und diesen aber nur außerhalb des Wohngebietes finden.

Der halböffentliche Raum hat seine ursprüngliche Funktion weitgehend verloren und somit werden all diese Flächen in der Nachnutzung entsprechend dem Einfamilienhaus für den privaten Rückzug umgestaltet. Was bleibt ist das Hochhalten einer Tradition, mit der wir Gestimmtheit, Sesshaftigkeit, Geschichte und Heimat assoziieren, in einer Zeit globaler Mobilität wohl kein Zufall. Zweifellos ist es erfreulich, wenn heute das bäuerliche Bauerbe anders bewertet wird als noch vor wenigen Jahrzehnten, und wenn sich Gemeinden um die Erhaltung ihrer Ortskerne bemühen. Trotz bester Beispiele für die Nachnutzung ehemaliger Tennen und Ställe, haben wir es letztlich mit einer marginalen Reliktarchitektur zu tun.

„ Während meiner Recherchen wurde mir klar, dass wir es mit vielfältigsten Brüchen zu tun haben, mit Brüchen des sich wandelnden Geschmacks. Auf den ersten Blick weiß man oft nicht einmal mehr zwischen revitalisierten Altbauten und Neubauten zu unterscheiden. Man neigt dazu, freundliche Menschen, die einem ihre Häuser zeigen, als Statisten der von ihnen finanzierten Architektur zu sehen. Und zu allem Überdruss wird einem nur zu schnell deutlich, dass man den eigenen Geschmack auch nicht ganz abzustreifen vermag. Man müsste all das abstreifen, was sich dem nüchternen Auge entgegenstellt, vielleicht völlig andere Dinge fotografieren, etwa Menschen, die gerade Kaffee trinken. Es ist sehr einfach, Bausünden gegen gelungene Architekturbeispiele auszuspielen. Vielleicht geht dies – bezogen auf das bäuerliche Bauerbe – am entscheidenden Punkt vorbei. Man muss Kategorien wie die der verloren gegangenen Geselligkeit einführen.“ (B. Kathan, aus dem Ausstellungstext)

Das Projekt beschäftigt sich mit der Frage, ob sich das architektonische Erbe des Vorarlberger Bauernhauses in neue Nutzungsformen übertragen lässt. Das Problem betrifft nicht nur jene, die ein leerstehendes Stallgebäude für andere Zwecke nutzen wollen, es tangiert auch Fragen des Ortsbildes und so fort. Diese Ausstellung sollte zumindest manche für den Umgang mit dem bäuerlichen Bauerbe sensibilisieren.

Dieser Zielsetzung folgen auch die KünstlerInnen, die eingeladen wurden, eigens für dieses Projekt Arbeiten zu konzipieren und sich auch mit dem Gebäude und dem Ort auseinander zu setzen.

Programm Bausubstanz












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