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Fotos: Mirjam Dröge

Kulturelle Reflexionen und Interventionen auf das
altehrwürdige Gebäude der Artenne Nenzing



Die Artenne Nenzing eröffnet am 11. September die Herbstausstellung „HAUS,STALL,GARTEN“, die die unterschiedlichen Nutzungen des alten Bauernhauses in der Kirchgasse 6, Nenzing, ins Zentrum rückt. Unmittelbarer Anlass von HAUS,STALL,GARTEN ist der Umbau der Tenne 2010/11 zu einem Veranstaltungsraum. In einem Teil der Ausstellung wird die Geschichte des Hauses und deren BewohnerInnen erzählt und in drei Rundgängen durch Stall, Garten und den Ortsteil „Winkel“ der Strukturwandel in den letzten 150 Jahren aufgezeigt, lassen die Artenne-Betreiber Hildegard und Helmut Schlatter wissen. Die hauseigene Depotsammlung ermöglicht es, die Hausgeschichte aus unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen. Geschichtsschreibung ist vorwiegend männlich dominiert – auch die der Hausgeschichten, obwohl diese im Wesentlichen von Frauen geprägt sind: vor allem wenn es um Familie, Erziehung, Beziehungsgefüge im Dorf und alltägliche Arbeiten in der Küche, im Garten und Vorratshaltung geht.

Im Tenn selber sind Bildkompositionen und Installationen der Kunstschaffenden Carmen Müller (Meran), Mirjam Dröge (Berlin), Ute Schendel (Basel), Sabine Marte (Wien), Uta-Belina Waeger (Dornbirn), Hubert Lampert (Götzis) und Michael Mittemayer (Bings) zu sehen. Die meisten dieser künstlerischen Reaktionen und Interventionen sind eigens vor Ort zu dieser Ausstellung entstanden.

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Foto:Mirjam Dröge

Feldforschung vor Ort

Die in Meran lebende und arbeitende Südtiroler Künstlerin Carmen Müller etwa hat sich Anfang Juli 10 Tage in Nenzing bei der Familie Schlatter einquartiert und eine kleine Feldforschungsarbeit zum Thema Gartenbau unternommen. Müller, deren Arbeiten sich meist in einem konzeptuellen Umfeld zwischen künstlerischer Freiheit und dokumentarischer Abhängigkei bewegen, konnte im hauseigenen Depot Unterlagen zu Marie und Otto Marte und ihrem Interesse an Obst- und Gartenbau finden. Darüber hinaus hat sie ältere Menschen in der Nachbarschaft befragt und ihre Aussagen zu den Martes notiert, die Teil eines kleinen Folders sind, der zur Ausstellung von ihr gestaltet wird. Darin sind auch Gesprächsnotizen der Hausbesitzer enthalten, wie sie mit dem Erbe des grossen Bauernhauses umgehen und welche Probleme und Freuden damit einhergehen. In einer Installation auf Tischen und Vitrinen zeigt die Südtirolerin die Ergebnisse ihrer Feldforschungsarbeit, die auch einen Einblick in die heutige Gartenkultur von Nenzing gewährt.

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Foto:Mirjam Dröge

Die Berliner Kunstschaffenden Mirjam Dröge betitelt ihren Beitrag mit „Das Leben meiner Großmutter nach '45“: Auf einem grauen Untergrund liegt eine Mappe, die einem Portemonnaie ähnelt. Außen ist sie bordeauxrot, innen schwarz. Sie wird durch einen einfachen Druckknopf geschlossen und ihre Ränder zeigen Abnutzungsspuren; manche Naht ist gebrochen. Das offenbar künstliche Material ziert eine haptisch erfahrbare Prägung, die an eine Reptilienhaut erinnert. Die Mappe ist in mehrere Fächer unterteilt, die mit Fotografien, einigen beschriebenen Zetteln und einer weinroten Passbildmappe gefüllt sind. Das Objekt ist geöffnet platziert, es erinnert an einen entfalteten Fächer. Von den Fotografien sind nur Ecken und Kanten zu sehen, welche die Fotos in unterschiedliche Dekaden einordnen lassen: Zierränder, weiße Ränder, keine Ränder, runde Ecken und spitze Ecken. Der Titel lässt darauf schließen, dass die Sammlung nach dem Krieg beginnt. Wann sie endet, bleibt im Ungewissen, vage. Die 1948 in Berlin geborene und heute in Basel tätige Ute Schendel ist als Theater- und Porträtfotografin bekannt geworden. In der Artenne zeigt sie Fotografien, die sie für das Buch „Das Haus - Ein Bericht“ entwickelt hat. Das Buch ist in dem von Josef Felix Müller geführten Vexer Verlag (St. Gallen) erschienen und enthält einen Text von Walter Morgenthaler. In Morgenthalers Text werden die Räumlichkeiten eines Rheintaler Hauses, Zimmer für Zimmer, abgeschritten und die Spuren entziffert, die sich in ihnen als Geschichte der Hausbewohner abgelagert haben. Die Schwarz-Weiss-Bilder von Ute Schendel nun lenken den Blick auf die gleichen Räume, um sie, mit und gegen den Text, ihre eigene Geschichte erzählen zu lassen.

Die Arbeit mit Video und Videoperformance der aus Feldkirch stammenden und seit längerem in Wien lebenden und arbeitenden Videokünstlerin Sabine Marte zeichnet sich durch die sichtbare Reflexion des Mediums selbst aus und entwickelt formal wie inhaltlich spezielle Techniken der Narration "in denen sich Sprache, Medium, Geste und Körper stets wechselseitig kommentieren, befragen und umwerten" (Marte). Sie ist in „Haus-Stall-Garten“ mit der Video-Arbeit „GRAS A/B“ (2006) vertreten. Darin setzt sie sich mit der Erinnerung auseinander. Die Protagonistinnen A und B treffen sich an einem nicht weiters beschriebenen Ort. Sie bezeugen gegenseitiges Interesse, ohne aber aufeinander wirklich einzugehen. Sie sprechen isoliert von Beziehungen, einem Ort, über Geschichten aus der Kindheit, Erinnerungen, einem schwarzen Loch, dessen Geheimnis im Dialog aber nicht gelüftet wird. Damit wird der Betrachter mit seinen eigenen Erinnerungen konfrontiert.

Die Dornbirner Kunstschaffende Uta-Belina Waeger sammelt seit zwei Jahrzehnten gebrauchte landwirtschaftliche Geräte aus Eisen, die von manueller Tätigkeit zeugen. Es sind dies Säge- und Sensenblätter, Axt- und Messerklingen, Gabeln und Schaufeln aller Art, Rechen, Dresch-, Stech- und Steckwerkzeuge. Ihnen allen gemeinsam ist ein immanentes aggressives Potenzial, welches durch Waegers spezifische Bearbeitung, nämlich einer papierenen Ummantelung („Ver-Häut-ung“), unterlaufen wird. Waeger will zur Ausstellung vor Ort vorhandene, historische Gerätschaften und Objekte mit ihren eigenen, teilweise aus anderen Kulturkreisen stammenden, konfrontativ und komplementär installieren, , sodass neuartige, „ge- und verschärfte“ Seh- und Denkbezüge entstehen. Bezeichnenderweise trägt ihre Arbeit den Titel „Gegen-Über“.

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Foto:Mirjam Dröge .............................................Film: Hubert Lampert

Phantasie aus Absichtslosigkeit

Der Beitrag des Götzner Künstlers Hubert Lampert mit dem Titel „Phantasie durch Absichtslosigkeit“ ist geprägt von autobiographischen Erlebnissen aus einer Zeit, wo er nachmittags von der verhassten Schule heim kam und seiner jüngsten Schwester zusah, wie sie längst ausgetragene Strickpullover aus den frühen 50/60er Jahren auftrennte und zu Knäueln wickelte. Lampert: „Jahrzehnte später sind bei Aufräumarbeiten auf dem Speicher diese Wollknäuel zum Vorschein gekommen. Es fanden sich hunderte und aberhunderte, fest gewickelte Kugeln in allen Farben und Grössen, aufbewahrt in Schachteln, Papiertüten und Nylonsäcken. Selbst bei einer späteren Generalsanierung des Hauses entschied ich mich, diese Knäuel aufzubewahren, zu groß war der verführerische Reiz dieser farbigen Kugeln.“ Die Installation Lamperts zeigt folglich „die Geschichte der Farben meiner Kindheit, dem ‚Winter- Beschäftigungsprogramm’ für Herma und von ihrer Stummheit. Heute schweben die Teile gleichsam durch das Tenn, wie einst Herma leise durchs Haus geisterte, still und heimlich – sie war nirgends und überall,“ so der Künstler.

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Fotos:Mirjam Dröge

Ähnlich wie Dröge oder Waeger präsentiert sich auch Michael Mittemayer (Bings) in der Artenne als Sammler. Er zeigt Gegenstände und Erinnerungsstücke, Schwemmgüter, die sich im Laufe eines Lebens ansammeln. „Die Exponate sind aus ihren Kontexten heraus gelöst und zu Zeichenträgern geworden. Als Relikte verweisen sie auf eine anderweitig nur mehr schwer zu fassende Vergangenheit. Wenn man die Sammlungen im Hinblick auf die Lücken betrachtet erkennt man sie als Konstruktion und Fiktion. In ihnen verdichten sich nun Erinnerungen und verweben sich zu einem Netz, voll von Geschichten und Geschichte“, schreibt Johannes Inama über diese Assemblage.

Karlheinz Pichler im "KULTUR"

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