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HAUS, STALL, GARTEN

Ausstellungseröffnung 11. September 2011

Es sprachen zur Eröffnung der Ausstellung:
Hildegard Schlatter, Artenne zum Haus
Dr. Andreas Rudigier, Vorarlberg Museum zu den KünsterInnen und zur Ausstellung

Dipl. Vw. Andrea Kaufmann, Landesrätin für Kultur zu Regionalprojekten
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Alle Fotos: Angelika Galehr, Rankweil

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Mein Zugang zu Haus, Stall, Garten


Zur Ausstellungseröffnung am 11. September 2011, der persönliche Zugang zur Hausgeschichte des Marte Hauses, Rede von Hildegard Schlatter

Haus

Ein sehr großes Haus, so groß wie ein gestrandeter Ozeandampfer, dies ist mein Bild als Kind beim Vorbeifahren hier, auf dem Weg in den Nenzinger Himmel, an Feiertagen. Die Maurer, der Geruch nach Räuchern und Knoblauch ist mir in Erinnerung, der Großonkel alt und am Schreibtisch.

Die Tante mit ihrem trockenen Humor in der Stube, der große dunkle Gang, das Karren der Dielen, die alten Möbel.
Nenzing im Herbst, beim Auflesen von Obst.

Kinderlos waren die beiden, Patenkinder und Erben meine Mutter und Tante.

Ich bin aufgewachsen in Bludenz, einer Kleinstadt, einem bürgerlichen Haus mit Garten. Stall, Landwirtschaft, und Dorf waren mir fremd. Kühe waren mir vertraut, die waren ebenfalls auf der Alpe, wenn meine Familie auf Sommerfrische im Nenzinger Himmel war.

Als meine Mutter und ihre Schwester dieses Haus erbten, war ich, jüngste der Geschwister- und Cousinenschar, die einzige die in dieses Haus einziehen wollte. Ich war 29 Jahre, bereits verheiratet, und hatte zwei Kinder. Wir waren auf Suche nach einem Platz für unsere Familie. Würden wir es schaffen mit einem Gehalt ? – Kreativität und Ideen waren gefragt.

Meine Mutter hatte nur vorübergehend während des Krieges in diesem Haus gelebt. Geblieben sind ihre Erinnerungen an die Verwandschaft und Familientreffen. Es gab keine Übergabe des Hauses und wenig Erklärung.

Es war ein volles, und doch ein leeres Haus, da das Inventar im Zuge der Verlassenschaft zum großen Teil verteilt wurde. Staub von einem halben Jahrhundert, im Dachboden und im Keller, Räume die seit Jahrzehnten nicht mehr aufgeräumt wurden.
Aneignung des Hauses durch Räumen, Sortieren des Hausrates, der von den Verwandten als wertlos eingestuft worden war. Eroberung des Hauses, Zimmer für Zimmer, Stock für Stock, Winkel für Winkel. Und die Erkenntnis, wie viel doch dageblieben ist, ungesehen, nicht geschätzt, aber doch von Wert,
Verstauen von Büchern, Akten u.a. Sachen im Dachboden, Leeräumen der Wohnräume für den Alltag unserer Familie. Für die Kinder wurde das Haus bereits Heimat.

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Garten
Kartoffeln soll ich im Garten pflanzen , damit zumindest was drin ist, war der Vorschlag meiner Mutter. Meine ersten Versuche mit Aussaat im Glashaus, der Bauerngarten als Studienobjekt. Die Nachbarn, die mich nach vorgezogenen Pflänzchen anfragten .
Gemüse in den Beeten, frischer Salat, Tomaten, Äpfel und Most. Das Pflanzen neuer Bäume auf der Wiese, da die Bündt (Obststreuweise) nicht mehr Teil des Grundstückes war.

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Stall
Der Kuhstall noch voll mit Material aus der Gärtnerei, Abdeckgläsern, Töpfen, Kisten. Die Werkstatt mit altem Material und Werkzeug, – denn weggeworfen wurde früher nichts. Alles konnte man wiederverwenden, gleich oder später.
Das Tenn diente als Abstellbereich für das Alte, für einen Campinganhänger, fürs Auto,
Vieh gab es schon lange nicht mehr in diesem Stall.

Vetter Otto, wie der Großonkel von uns genannt wird, hat seine Böden verpachtet , war Bürgermeister über fünf Perioden der Gemeinde. Mit 73 dann hatte er Zeit und fing an zu schrieben. Er schrieb , über das worüber er sich auskannte, die Landwirtschaft, den Weinbau, das Hochwasser, über Nenzing....

Es hat mich sehr beeindruckt, dass ihm die Veröffentlichung des Buches so wichtig war, dass er sogar einen wertvollen Sekretär verkaufte, um sich den Buchdruck leisten zu können.

Heute verstehe ich es, er wollte sein Wissen weitergeben, das Wissen der Familie über das Dorf und die Landwirtschaft. Dies konnte er schriftlich am besten.

Das haben die Familie Marte, Stoss, Maurer, Häusle, Gantenbein, Selb u. wie sie alle hießen, die Vorfahren, immer schon getan, schriftlich wurde alles festgehalten, dokumentiert, Tagebücher und Briefe geschrieben. Es wurde viel gelesen und studiert, ...das Marte Archiv ist voll davon.
Es gibt auch Tonbandaufnahmen meiner Mutter mit Verwandten.

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Heute

ich weiß nun noch eindrücklicher um meine Vorfahren. Sie waren gebildet, vermögende und politisch einflußreich, Ich kenne nun den Begriff von eingehenden und ausgehenden Schulden, weiß dass ein altes Haus 1839, samt Landwirtschaft aus einer Versteigerung bar erstanden, abgerissen und dieses hier 1841 neu errichtet worden ist. Es gibt Kaufverträge, Eheverträge, Erbschaften.
Ein Luftzschutzkeller war in diesem Haus im 2. Weltkrieg, auch das Glashaus stammt aus dieser Zeit, wo Lebensmittel vom Land von Nöten war und mein Großonkel 1939 als Vorsteher abberufen.

Ich verstehe mittlerweile viel mehr über Landwirtschaft, Bauernschläue, Familienfehden, bin selber im Herz des Dorfes angekommen, das Haus erobert, den Stall gefüllt mit neuem Leben, beim Thema geblieben, beim ländlichen Leben!!!

Verwalterin auf Zeit!
Hildegard Schlatter

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