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Die Artenne von Nenzing ist ein Haus der Kultur, das heisst, ein Stall der Kultur, den Hildegard und Helmut Schlatter sorgsam eingerichtet haben als Galerie, Veranstaltungsort und Treffpunkt in Nenzing, einem Dorf in Vorarlberg. Zusammen mit Manfred Walser von der Regionalentwicklung Walgau luden sie ein zum Nachdenken über den nicht mehr gebrauchten Stall. Es sprach und sang am 15. Juli 2011 Köbi Gantenbein.

Endlos weit, zwecklos schön – ein Capriccio mit Gesang zum nicht mehr gebrauchten Stall


Ab und zu wird unsereins gefragt, wer die schönste Schauspielerin, das beste Haus oder der wichtigste Architekt der Weltgeschichte sei. Ich nenne dann als Schauspielerin Katja Polletin von Lech, die als Lockenkopf-Heidi meine Jugend entzückt hat; als Haus das Chalet, weil es der originelle Beitrag der Schweiz zur Architekturgeschichte der Welt ist und als Architekt Vitruv, der Architekt aller Architekten, der im Alter nicht mehr gebaut hat, dafür alles Wesentliche zur Architektur gedacht und geschrieben hat. Und einmal hat mich jüngst in solch lustiger Fragerei eine Zeitung gefragt, was mir folgenreichste Erfindung der Menschheit scheine. Es ist nicht Hochparterre, nicht das Rad und nicht das Schiesspulver – ich glaube die wichtigste Erfindung der Menschheit ist das Heu. Es ist Gründer und Motor des Städtebaus und also der Kultur. Ohne Heu kein Vieh, ohne Vieh keinen Käse und kein Fleisch, und ohne Käse und Fleisch keine Vorarlbergerinnen und keine Bündner und vor allem keine Stadt, die ja nur funktioniert, wenn das Essen zu ihren Bewohnern transportiert und vielfältig gelagert werden kann. Im lebenden Tier zuerst, als erschreckte Milch im Käslager, gemetzget als Fleisch und getrocknet im Kamin oder tiefgefroren in der Truhe. Und das wiederum geht geht ja nur, wenn das Tier, auch ohne dass es auf der Wiese steht, zu fressen hat – also Heu. Und wenn es der Bauer mit laufender Heuzufuhr dazu verführen kann, bei ihm zu bleiben, Milch zu geben, junge Kühe zu gebären und am Schluss Fleisch zu werden. Und zwischendurch Mist zu werfen, der das Gras sichert und erst dann braucht der Bauer das Rad, um das Heu vom Feld in den Stall zu bringen und schliesslich der Metzger das Schiesspulver, um die vom Heu genährte Kuh zu erschiessen.

Kurz und gut – ich bin nach ausschweifendem Nachdenken sicher, dass das Heu der wahre Daseinsgrund unserer Kultur ist. Und weil das Heu und die Kuh zwingend einen Ort brauchen, wo sie zusammenfinden, damit die eine das andere verzehren kann und beide geschützt sind vor Wind und Wetter, ist der Stall so wichtig wie das Heu. Er ist die Zelle des Städtebaus und die Urform für alle Hütten, aus denen Städte geworden sind. Ohne Wissen um die Geschichte des Stalls und die Wirkung der genialen Erfindung dessen, der zum ersten Mal aus Gras Heu gemacht hat, ist jeder Diskurs um Architektur und Städtebau bewusstlos. Vor der Stall- und Heuzeit fehlten den Menschen die materiellen Voraussetzungen, damit sie aufhören konnten, nur zu jagen und zu sammeln und also sich niederzulassen in kulturfrohem Tun. Denn es fehlten ihnen alle Voraussetzungen, Gesellschaft zu bilden, das heisst miteinander zu heuen, dazu zu jodeln, dann das Heu in den Stall zu bringen, die Kühe, Schafe und Geissen überwintern zu lassen und sie schliesslich einander zur Hand gehend sie marktgerecht zu schlachten und den Kuhlosen zu verkaufen. Das, liebe Walgauer und Walgauerinnen, ist der Quantensprung vom einsamen Jäger zum geselligen Bauern dank Heu und Stall. Mit ihm allein ist die Geschichte des Städtebaus und der Architektur zu begründen. Gewiss, im Anfang mag schon das Wort gewesen sein – nomine sunt ante rem – doch schauen wir die Welt richtig an, so war im Anfang das Heu und mit ihm der Stall. Mindestens im Anfang der Architektur, des Siedlungswesens und damit der Kultur. Weltweit, immer und überall. Lange vor der heute geläufigen Globalisierung, hat der Stall die Schönheit dieses Wortes aufgeführt. Er ist universal und universell. Und das macht aus, warum er uns so fasziniert, wenn wir ihn scheinbar zwecklos schön und schon lange nicht mehr gebraucht im Wiesengrund, braun gebrannt vor sich hin träumen sehen, zuwachsend mit Holunder. Oder schäbig und verkommen in einem Dorfwinkel, wartend auf einen Spekulanten, der ihn der Erbengemeinschaft abjagt, um aus ihm einen Goldsack zu machen.

Der Stall ist universell und er ist lokal. Deshalb liebe ich es, durch die Talschaften des Rätikons zu streifen. Zum Beispiel hier von Nenzing einen halben Tag lang hinauf in den Nenzinger Himmel zu steigen. Je weiter ich aus der Siedlungslandschaft komme, umso mehr säumen Ruine und Relikte meinen Weg. Schon lange ist nichts mehr ausser Natur und auf der andern Seite geht es hinunter über das Bartümeljoch ins vordere Prättigau. Erst nach gut zwei Stunden, bei Stürvis, beginnt langsam wieder das Muster, das auch auf der andern Seite des Rätikons, hinter Nenzing, war. Zerfallende Ställe, Ruine gewordene Vermutung, verzauberte, schon lange verlassene Ensembles. Und ich stelle erfreut fest: Ihr hier und wir dort, ihr Vorarlbergerinnen und wir Prättigauer – wir sind miteinander verwandt. Euer Stall ist unser Stall, eure Ruine ist unsere, ihr strickt die Holzbalken auf einander und wir stricken die Holztramen ineinander. Unsere politische Grundlast und unsere Religion sind unterschiedlich; ihr seid in der EU und wir sind in der Schweiz, ihr seid katholisch und wir sind reformiert. Aber diese Verwerfungen vernebeln nicht, dass Euer und unser Stall viel früher da war als die EU, die Grenze am Rätikon oder die Kirchenspaltung. Der kleine, gestrickte, schwarz gebrannte, auf Steine gestützte Stall ist da seit immer. Ob als Trutzstall, als Ruine oder als Idee.

Die Wege im Rätikon sind lang. Ich übernachte auf der Alp Stürvis. Und ich lese am andern Tag schreitend durch die Maiensässe abwärts über das Sadreinegg gegen Seewis wie sich die Gesellschaft verändert hat. Ich könnte das auch bei Euch lesen, ausser dass der Dialekt anders ist, ist alles gleich. Ich rätsle um Schicksale und Biografien von Menschen und Tieren, von Gemeinschaften und von Feindschaften. Ich höre, wie der Wind in den ächzenden Balken eines Bargauns von den Nöten erzählt, der endemischen Armut der kleinen Bergbauern, den Gewalttätigkeiten des ländlichen Lebens und ich sehe die Kröpfe, die faulen Zähne und den Hunger aus dem alten Stall hervorlugen. Ich höre den Zinslibauern jammern und den Dorfkönig prahlen mit der silbernen Uhrenkette über seinem feisten Wanst. Der Stall wirkt weit über seinen Zweck, das Futtern, Melken, Misten oder Füllen mit Heu hinaus. Er ist mit Zeichen versehen, er ist ein Ort von Sagen, er ist eine Dokumentation von Spuren, von erhebenden Dramen und grossen Tragödien. Und der Stall wird, ich bin nun weiter unten im Prättigau, der Stall wird auch mein Familiengedächtnis. Der Clan der Tarnutzer, Disch und Ladner hatte etliche Ställe, verstreut vom Tal über den Maiensäss bis auf die Alp. Und er hat eine stolze Parade von Sennen und Bergbauern hervorgebracht. Das war einmal – heute ist man Lokiführer, Krankenschwester, Apothekerin und Chefredakter geworden. Oder Weinbauer und hat sich als Weingut vom Computer einen hochmodernen Superstall bauen lassen. Aber man hat eine alle vereinende Erinnerung. Ställe am Berg, als Teil des Erbes, weit verstreut, vielfach verlassen. Dunkle Urhütten, von der Landwirtschaftspolitik schon lange erledigt, und vom Tierschutz an den Abgrund gedrückt – zu recht – denn die bäuerliche Gesellschaft war ja nicht nur für die Menschen hart, auch dem Rindvieh ging es nicht nur gut in der frischen Prättigauer Luft. Ich weiss das, denn ich war Hüterbüblein auf dem Bauernhof im Tal, wo die Rinder in Kettenhaft im dunklen Stall waren. Ich war allein auf dem Maiensäss und im fidelen Männerkollektiv auf der Alp. Und erinnere ich mich an die Erlebnisse, so weiss ich nicht recht, weshalb ich dem Stall heute hier für Sie ein Loblied singe und ihn überhöhe zum Kulturträger schlechthin. Denn damals war es oft kalt, nass und streng zu arbeiten. Ich wäre lieber mit meinem Freund Beat, dem Doktorsohn und Nachbarbuben, ans Meer in die Ferien gefahren im Sommer statt als Knecht zu Öhi Andris gezogen.
Natürlich weiss ich, warum ich das Loblied singe, denn der Stall ist ja viel stärker als jedes individuelle Erlebnis. Er trägt grosse Geschichte – er ist ein Fundament der Kultur, er ist ein Monument der Architektur – da mag nichts wägen, dass ich ihn am morgen bevor die Sonne aufging ausmisten musste.

Aber Gottseidank – der Takt der neuen Zeit schlägt auch in den Dörfern und auf dem Land. Bei uns im Prättigau drüben hinter dem Nenzlinger Himmel und dem Rätikon und bei Euch hier im Walgau. Die Kröpfe gingen zurück und die Onkel, die zu viel Schnaps trinken, kommen heute in die Heilanstalt, und wenn sie ihre Frauen und Kinder verprügeln, ins Gefängnis und in die Therapie. In den Fünfziger Jahren begann sich die Rationalisierung der Landwirtschaft durchzusetzen. Pharaonische Meliorationen haben die Wiesen und Stall-Landschaften umgepflügt. Fertig mit Saumtieren auf Alpen und mühsamen Wegstrecken. Ihr Zweck, hirten, schlafen, essen, trinken, Feste feiern und die Versammlung dieser Tätigkeiten in einem Gebäude weicht sich auf. In meiner letzten Saison als Hirt fuhr ich mit dem Motorrad in den Ausgang, wenn es mir oben auf dem Maiensäss zu langweilig wurde. Und es brauchte bald weniger Leute mit Stallgeruch, denn Gottseidank hat jemand ja die Melkmaschine erfunden. Auf der Alp meines Grossvaters Silvester Disch am Fuss des Schweizertors im Rätikon, der Vorarlberg und das Prättigau mit mächtigen Kalkfelsen trennt, waren 17 Männer angestellt. Wir waren noch zu fünft – und ich nur während der Ferien im Gymnasium. Heute sind sie zu dritt und der Senn ist eine Frau. Unsereins wanderte dafür weg aus dem Prättigau – nicht mehr nach Amerika oder Australien wie die Urgrossväter, sondern nach Chur, Zürich oder Berlin. Und ihr aus Nenzing nach Bregenz oder Wien. Und sind wir dort in der Fremde, so erinnern wir uns an den Stall und bringen ihn ein in den Diskurs als besondere Note.

Die alte Stallzeit gibt es schon lange nicht mehr. Ihr Zerlaufen habe ich als Jugendlicher staunend erlebt. Sie hat Bilder in meinen Kopf geprägt, die ich mit mir ins Grab nehmen werde. Die neue Stallzeit, wuchtig gestossen vom Fortschritt und geformt vom Glauben an Industriebräuche, hat den Normstall geboren. Der geht meine Biografie nur wenig an. Als er zu uns kam, war ich schon auf dem Gymnasium und nie vorgesehen für den Bauernberuf. Er sprang aus Datenreihen von Ingenieuren und Erkenntnissen von Ökonomen in die Bergtäler. Der Normstall sieht bei Euch und bei uns gleich aus. Das bestätigt meine These, der Stall sei ein Archetyp, denn er übersteht jede Zumutung und jede Modernisierung. Er hat die Leute ersetzt, denn er ist effizient und er hat die Stall-Landschaften verändert und dafür ein altes Muster mitgenommen: Die Aussiedlung des Maiensäss. Die Stallmoderne verliess die Dörfer und baute ihre Normställe entlang der Prinzipien rationeller Produktion ausserhalb der Siedlungen zuerst mit weiträumigen Anbinde- , dann mit Freilaufställen in einem Ensemble mit den Futtersilos, den Remisen für den hoch gerüsteten Maschinenpark, den Unterständen für das zu Ballen gepresste Heu und das in Plastikfolie eingepackte Gras. Und heute glitzern die Sonnenkollektoren von den Dächern und aus der Gülle macht der Bauer Biostrom. Nebst bäuerlichem Wissen ist buchhalterisches Kalkül und staatlicher Machtanspruch Teil der Architektur: Die Investitionen sind zu berechnen und zu verzinsen; mit klaren Vorgaben sagt der Agraringenieur aus der Zentrale wie der Bauer zu bauern hat. Die neue Stallzeit ermöglicht der kleinen Minderheit der Bergbauern soziale und materielle Sicherheit und verpflichtet sie dafür zu hoher Loyalität gegenüber dem Staat, der sie hegt, pflegt und mit Geld versorgt wie keinen andern Beruf auch nur annähernd. Ich bin herzhaft für diese Solidarität mit den Bauern, die ohne unsere zahlende Zuneigung alle untergingen. Dafür wählen sie dann konservative Politbüffel und stimmen anders ab als ich an der Urne und ich, der ich mich für sie ins Feuer lege, muss traurig weinen.

Doch damit nicht genug. Seit den 60er Jahren fordert eine weitere Transformation die Stalllandschaft heraus: Die Tourismuswirtschaft als eine neuartige Weidewirtschaft. Nach der Melkzeit der Kühe, begann die Melkzeit der Touristen. Zuerst mit den edlen Gästen des Kurtourismus am Ende des 19. Jahrhunderts, heute mit den Freizeitmenschen aus den Städten. Bei uns ins hintere Prättigau und nach Davos. Bei Euch nach Zürs Lech und ins Montafon. Skilehrer, Hoteliers, einheimisches Gewerbe und ihre Zudiener sind die Hirten, der zur Weide, zur Sonne und zum Sportseifer gehenden Städterinnen und Städter, denen das Geld aus dem Beutel genommen wird wie den Kühen die Milch aus dem Euter. Die aus Bauerndörfern gewachsenen Fremdenorte spielen für die Fremden die komfortable Stadt im Dorf, der es an nichts mangelt. Und wie weht der Stallwind durch die Fremdenorte. Dem Stall hat eine rosige Zukunft zu winken begonnen. Er wird Bankett-Saal, Trinkstube, Tanzbühne und schlafen tun wir nach reichlichem Essen und Trinken im Stroh.

Und auch eine weitere Wandlung ist bemerkenswert. Hier im Walgau und bei uns gleich. Die Tiere – jetzt in Normställe vor den Dörfern ins Exil getrieben – die Tiere werden im umgebauten Wohnstall durch Menschen ersetzt. Der Stall, das Urgehäuse, wird kommode Wohnung. Und die Stallwohner pendeln vom mit Erinnerungen getränkten Ort in die Stadt zur Arbeit. Ich bin ja auch so einer. Ich lebe in einem steinalten Bauernhaus in Fläsch und zittere ob der Schönheit der Geschichte meines Hauses, dessen erster Nichtbauer ich seit 1750 bin. Gotta Betty, meine Vorgängerin, trieb hier noch eine vielfältige Landwirtschaft in der alten Stallzeit mit zwei Knechten, einer Herde Kühe, Ochsen, Wein, Kartoffeln und viel Heu. Und hätte ich Raumbedarf oder Spekulationswille, könnte ich in den alten Stall neben meinem Haus zu einem wahren Bestimmungsort oder einer Goldgrube umbauen. Mit raffinierter Architektur, hoher Blüte des Detail- und Handwerkerkönnens, einem Meditationsbalken in der Scheune, mehren Wohnungen im ländlich-sittlichen Stil, einem Schwimmbecken im Güllenkasten und Platz für den Fiat im Schweinestall. Doch das wird nichts. Ich lasse den Stall aus der alten Stallzeit neben mir leer stehen als zwecklos schöne Plastik, in die ich ab und zu trete, lauthals singe oder auf der Klarinette meine Stückli übe.

Und nun? Wie steht es mit der Zuversicht im Berggebiet gespiegelt im Stall? Sie ist gross und leuchtet weit. Wir dürfen uns aber nichts vormachen – die Produktionsbedingungen der Berglandwirtschaft sind schwierig. Bei Euch in der EU und bei uns. Wir leisten sie uns mit Unsummen an Geldtransfers, weil wir so tief und fest an der Stallzeit hängen. Und die Bauern danken es uns meist nicht mit zu meiner Vorstellung verfeinerter Baukultur. Sie machen teils grauenhafte Neubauten, fatale Umnutzungen und dumme Murkse am und mit dem Stall. Und die Wirte der neuen Weidegänge im Tourismus sind noch schlimmer. Sie treten gegen die Urform des Stalls an mit dem Lederhosentirolerwalserstall, weiden die alten Ställe aus und überzuckern alles Gedächtnis. Und das Architekturbüro Hurtig & Findig, deren Patron sich einen nicht mehr gebrauchten Stall unter den Nagel gerissen hat, würgt aus ihm zwei Goldstückli, obwohl er bisher still und verträumt ausserhalb der Bauzone stand.

Dennoch es sind auch bemerkenswerte Projekte im Gang, um die Stallgehäuse für die Zukunft zu bewahren oder neu zu nutzen. Dabei bleibt vieles individuell oder privat, hie und da originell oder wird sogar flott extravagant. Stallprojekte werden aber auch zum Gemeinwerk und rücken für dorf- und regionalpolitische Planungen in vordere Ränge. Sie fügen sich in soziale und kulturelle Politik ein, um die Dörfer als Lebensraum zu erhalten und zu entwickeln. In Graubünden wird dafür der Architekt und Planer Gion A. Caminada hoch gelobt. Reich und vielfältig ist die Perlenkette, die er der neuen Stallzeit umlegt mit Wohnhäusern, Stallhäuser, einer Sägerei, einer Metzgerei und jüngst einer Käserei. Ich kenne ja Eure Artenne nur von Helmuts Erzählungen und von meinem Eindruck heute – sie steht für solche Zuversicht, so scheint es mir, exemplarisch. Wir riechen, fühlen, schmecken und illuminieren hier die alte Stallzeit und bauen an der neuen.
Die Artenvielfalt solcher Projekte im Querschnitt durch die Alpen ist schön und trocknet manche Träne der Architektur. Der nicht mehr gebrauchte Stall wird zum Ausgangsort und zur Metapher einer neu erfundenen Landschaft und Lebensform in den Alpen.

Doch mich fasziniert auch das Gegenbild: Ställe kann man einfach stehen und warten lassen. Sie brauchen keinen Zweck und keine Rechtfertigung. Sie haben Geschichte. Dazu gab es im Prättigau im letzten Winter eine Kunstinstallation. In Grüsch auf der grossen Ebene unter dem Dorf beim Fluss Landquart leuchtet es in der dunklen Nacht aus meist nicht mehr gebrauchten Ställen, die dort aufgereiht sind zur Parade. Es funkelte zwischen den Brettern hervor. Zwecklos schön und verzaubert. Die Künstlerin Gabriela Gerber und ihr Mann Lukas Bardill hatten dort ihre Kunstinstallation «Avenue» eingerichtet. Weit und breit kein Strom und die Ställe schimmern Zuversicht und stille Schönheit. Und wer gut hinhörte, der hörte abends punkt 20.23 den weite Zuversicht ausstrahlenden Alp- und Stallsegen

«Ave Maria, ave Maria, ave Maria
Bhüetnisch Gott ünschara Herr Jesus Chrischt
Lyb, Ehr, Hab, Guet und alls wo ummer ischt
Bhüetnisch Gott dr gross lieb Sankt Gall
Aer ischt dr Heilig vu ünscherm Stall
Bhütnisch Gott alli Galti, Grauviecher und Schaf
Dasch gnua Heu heiend und au Medikament
Bhüetnisch Gott alli Traktora und Güllapumpana
Alli Kreiselmeher, Chunschtdünger und Hennagumpana
Bhüet nisch Gott alli wo im Schtall wohnend
Maria, dr Josef und dr Herr Jesus Christ
Aber auch alli Chefredakter, Pöschtler und Architektinna
Jetz und immer und ewgig und überall
Bhüetnisch Gott, das walti Gott, das tüa dr Liabgott.
Ave Maria, Ave Maria, Ave Maria.

Kobi Gantenbein, Chefredakteur Architekturzeitschrift "Hochparterre"

Architekturzeitschrift Hochparterre

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