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VON ERHÖERTEN UND UNERHÖERTEN DINGEN
Roland Albrecht
Ausstellung in der ARTENNE
27. September – 27. Oktober, Verlängerung bis Frühjahr 2014


Roland Albrecht
geboren im Allgäu, lebt in Berlin
Ausbildung in verschieden Berufen,
Großhandelskaufmann, Krankenpfleger,
Fotograf, Schriftsteller

Er führt seit 1998 das von ihm gegründete Museum der Unerhörten Dinge
www.museumderunerhoertendinge.de
http://www.rolandalbrecht.de

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Aus der Welt der Dinge: Nenzing - Berlin

Das Museum der Unerhörten Dinge aus Berlin präsentiert Unerhörte und Erhörte Dinge in der Artenne in Nenzing. Die Ausstellung findet im Rahmen des Jahres Thema, Suchen - Sammeln - Sichten, Positionen von Künstlerinnen, Literaten und Filmemachern statt.

Das Museum der Unerhörten Dinge von Roland Albrecht, ist eine Literarische Wunderkammer mit einem festen Haus im Berliner Stadtteil Schöneberg. In diesem Museum werden unscheinbare, nicht beachtete Dinge erhörte und mit unerhörten Geschichten versehen. Es ist ein Museum das interdisziplinär arbeitet. Es sind Dinge aus allen Bereichen zusehen Natur-, Geistes-, wie Kulturwissenschaftliche Dinge stehen nebeneinander und das, was sie verbindet ist eine (v)erdichtete Aura durch eine auf sie zugeschriebene Erzählung.
So stehen zwei Teile aus der Schreibmaschine von Walter Benjamin neben versteinertem Eis, ein Einschlag eines Gedankenblitzes neben einer Rose, die Goethe bei seiner Italienreise aus Karlsbad mitgenommen hat, und der Geduldsfaden neben einem Fetisch Stein von Thomas Mann.
Es sind alles Gegenstände und Geschichten, die durch eine Bedeutungsumwidmung der Dinge eine andere Möglichkeit der Betrachtung zulassen, und über den Tellerrand der Realität hinausschauen lassen.

In der Artenne in Nenzing wird Roland Albrecht an einer Wand des Ausstellungsraums , Erhörte Dinge mit ihren unerhörten Erzählungen präsentieren, und an der gegenüberliegenden Wand die Unerhörten, noch nicht erhörten, Dinge aus dem neu entstanden „Vorarlberger Fundstücksdepot“.
Die über Hundert, im Frühsommer im Vorarlberg gefundenen Dinge, Fundstücke des „Vorarlberger Depots“ , haben noch keine Erhörung erfahren, keinen Erhöhung durch eine Geschichte, sind noch Unerhört. Diese Bedeutungsrohlinge warten auf eine ihnen inneliegende,verborgene Erzählung.
Die Dinge des „Vorarlberger Depots“ sind akribisch vermessen, gewogen, kurz beschrieben, katalogisiert, nummerriert und präsentieren sich an der Wand in Gewichtsklassen sortiert. 1- 20 g, 20 - 40 g, 40 - 70 g u.s.w.. Die Sortierung nach ihrem Gewicht garantiert ein strenges und genaues Abgrenzungssystem. Die Gruppierung in Gesichtsklassen drängt den Dinge noch keine Erzählung auf.
So stehen vor den sortierten Dingen, vor jeder Klassifizierung ein Stuhl und ein Tisch. Auf dem Tisch liegt ein Ordner, in dem die an der Wand Hängenden Artefakte einzeln abgebildet sind. Der Besucher der Ausstellung ist aufgefordert, seine freischwebende Aufmerksamkeit den Dingen zu überlassen, sich von ihnen inspirieren zu lassen, ihnen zuzuhören und dadurch den unbeschrieben Dingen ihre Geschichte zu entlocken und sie niederzuschreiben.
Diese Erzählungen, die der Besucher den Dingen des „Vorarlberger Depots“ zuschreibt, werden zu einem Teil der Gesamterzählung Vorarlbergs.

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Texte zum Depot und zu Dingen

Jedes Ding trägt alle anderen Dinge in sich. Fängt man bei einem x-beliebigen Ding an und fragt, wo es herkommt, woraus es ist, wofür es verwendet wird, welche Funktion es ausübt, kommt man zu vielen Antworten und neuen Fragen. Jede Dingbefragung endet im Unendlichen.

Die Dinge erzählen wundersame Geschichten, Geschichten ihrer Entstehung, ihres Gebrauches, Geschichten ihrer gesellschaftlichen Stellung, ihrer Gerissenheit und ihrer Materialität. Man muss die Dinge einfach reden lassen, ihnen zuhören. Die gesamte Geschichte der Technik und der Kultur kann man bei ihnen erfahren. Alle diese Dinge reden, reden, reden. Eigentlich ist es ganz und gar fürchterlich, das Gerede der Dinge, aber was soll man machen?

Manchmal lügen die Dinge, erzählen die unglaublichsten Geschichten, geben an wie Baron Münchhausen. Wer mit Dingen umgeht, mit ihnen verkehrt, muss sich hüten, den Lügengeschichten auf den Leim zu gehen. Es könnte ja sein, dass der Stein vom Rhein, der ehemalige Stein eines Weisen aus dem Jahre 1443 ist, wer weiß das schon? Eine Überprüfung bestand der Stein nicht, es ist ein ganz gewöhnlicher Stein aus dem Rhein, ein Lügenstein, ein Lügending. Manchmal lügen sich die Dinge in die eigene Tasche.

Die Dinge sind oft eitel, selbstgefällig oder schüchtern und trauen sich nicht. Manchmal sind sie einfach nur dumm. Ja, es gibt dumme Dinge, wie auch kluge Dinge und blöde Dinge. Die blöden Dinge sind manchmal so blöde, dass sie schon wieder klug sind. Das ist nicht so einfach mit den Dingen. Sehr schwierig ist es mit den Dingen, die man nicht kennt, da meint man manchmal etwas ganz Besonders zu haben und dann stellt sich heraus, dass es etwas Banales ist. Schwierig ist es auch mit Dingen, die man wegwerfen will aber nicht kann - o je! Diese Dinge will man dann ins Museum bringen, aber die Museen platzen schon aus allen Nähten.

Mit den Dingen des Depots verhält es sich ähnlich wie mit der Muschel, die aus dem Urlaub von der Ostsee mitgebracht wurde, die zu Hause auf dem Frisiertisch liegt und die an die Zeit an der Ostsee erinnert. Es sind Fundstücke der persönlichen Erinnerung, es sind Begegnungen. Sie sind durch ihre Geschichte ins Depot gekommen und heben sich von allen andern Dingen durch die mit ihnen verbundene Erinnerung ab. Ein Ding, das nicht den Weg der Erinnerung, den Weg „mit der Muschel verbinde ich den Urlaub“ hinter sich hat, ist ein Unding. Ist ein solches Unding im Depot gelandet, stört es und lungert geschichtslos herum. Es sind traurige Dinge, deren Schicksal es ist, unbeachtet, störend zu bleiben und in der Vergessenheit wieder zu verschwinden.


Nachts besuchen sich die Dinge, dessen bin ich mir gewiss. Sie unterhalten sich, tauschen Neuigkeiten aus, feilschen ums Rechthaben, besuchen sich an den jeweils anderen Orten, sortieren sich neu. Die Dinge haben eine eigene Ordnung. Das Gedächtnis der Dinge ist erstaunlich. An jedem Morgen sind sie wieder genau an dem Platz, an dem ich sie abends verließ. Auch Stichproben, ein plötzliches Auftauchen in der Nacht stört sie nicht. Blitzschnell, von mir unbemerkt, sind sie wieder an ihrem Platz. Es ist mir noch nie gelungen, sie zu überlisten.


Im Gegensatz zu den erhörten Dingen des Museums haben die unerhörten des Depots keine Geschichte. Ihre Geschichte ist das Depot als Gesamtes, in dem sie sich befinden. Die Dinge des Museums sind wichtige Artefakte aus verschiedensten Bereichen, die alle zur Bedeutung der Welt, zu ihrer Erklärung beitragen. In den Dingen des Depots schlummert diese Bedeutung, sie ist dort noch verdeckt, noch nicht erhört. Das Depot ist der Vorbereitungsort, die Lagerhalle, das Versteck der Bedeutsamkeit.

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Alle Dinge des Depots sind dem praktischen Gebrauch entzogen. Sie werden weder verkauft noch benutzt. Eine Heizdecke wird nicht als Heizdecke benutzt, ein Hüftgelenk nicht mehr eingesetzt, eine Kerze nicht mehr angezündet, mit einen Schuco-Auto nicht mehr gespielt. Wird einmal ein Hammer des Depots zum Nägeleinschlagen benutzt, wird einmal ein Gummiband verkürzt, weil jemand ein Gummiband braucht, so ist dies eine unerlaubte Übertretung.




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